Risiko „im Griff“? Ergebnisse des PSYGIENE-Projekts zur Motivationslage bezüglich der eigenen hygienischen Händedesinfektion bei Ärzten und Pflegekräften der Intensivmedizin – Bettina Lutze et al.

Die entscheidende Voraussetzung dafür, das Hygieneverhalten von Akteuren im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern, ist zunächst die Überzeugung zu schaffen und zu festigen, dass Händehygiene entscheidend bei der Infektionsprävention helfen und dass jeder Einzelne hier persönlich etwas beitragen kann. Die Psychologin Bettina Lutze stellt mit ihren Kollegen die Ergebnisse des Hannoveraner PSYGIENE-Projektes vor, das die Verbesserung der Händehygiene-Compliance (der Umsetzung von Hygienewissen in adäquates Hygieneverhalten) bei Beschäftigten im Gesundheitswesen zum Ziel hat. Um zunächst die Motivationslage zu evaluieren, werden Ärzte und Pfleger verschiedener Stationen mit Fragebögen zu ihrer eigenen Einschätzung befragt. Dabei werden die Ergebniserwartung (die Einschätzung der Wirksamkeit der Händedesinfektion bei der Infektionsprävention) und die Einschätzung der Risikoreduktion durch die Händedesinfektion erhoben. Über drei Viertel der befragten Ärzte und Pfleger gaben dabei eine hohe Motivation und entschiedene Überzeugung der Wirksamkeit von Händedesinfektion generell an. Gleichzeitig zeigten sich aber starke Differenzen in der Einschätzung der Wirksamkeit der persönlich durchgeführten Maßnahmen bei der Keimreduktion. Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich aber, dass sich, sowohl bei Ärzten als auch beim Pflegepersonal eine extrem starke Motivation zur Compliance bildet, wenn die Überzeugung der Wirksamkeit des eigenen Hygieneverhaltens gefestigt ist.

Eine Verstärkung der Händehygiene-Compliance in Kliniken lässt sich offensichtlich am besten dadurch erreichen, dass man den Zusammenhang zwischen der regelmäßigen persönlichen Händedesinfektion und der Reduktion von Krankheitserregern klar herausstellt. Maßnahmen wie Schulungen, persönliches Feedback oder Erinnerungssysteme müssen diese Überzeugung dann stützen und mit dem guten Gefühl, Infektionen wirksam verhindern zu können, verbinden. Bundesweite Aktionen können von den Erkenntnissen des PSYGIENE-Projektes profitieren und diese in ihre Kampagnenplanung einfließen lassen.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.

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